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Naturschutz

Benjeshecke

Neue Lebensräume für Insekten und Vögel in Ensheim

Ausgezeichnetes Naturschutzprojekt von engagierten Bürger*innen in Zusammenarbeit mit dem Akku SV in Ensheim realisiert

„Neue Lebensräume für Insekten und Vögel in Ensheim“ so lautete der Titel des Projektes, das der Ensheimer Verein AKKU SV Ensheim e.V. gemeinsam mit den engagierten Bürgern bei dem 5. Förderaufruf für „Ehrenamtliche Bürgerprojekte“ in der Leader-Region Rheinhessen eingereicht haben. Nur eine Auswahl von insgesamt 27 Projekten der zahlreichen Interessensbekundungen konnten mit Fördermitteln, die das Land Rheinland-Pfalz zur Verfügung stellt, bedacht werden.

Die eingereichten Projekte wurden anhand von Auswahlkriterien durch den Vorstand der LAG Rheinhessen für die hiesige Leaderregion bewertet und in eine Rangfolge gebracht. Vermutlich überzeugte die Juroren der pragmatische, aber effektive Ansatz des Projektes. Das Vorhaben ist, bei vergleichsweise geringem Kostenaufwand, relativ leicht umzusetzen. In kurzer Zeit wurden mit einfachen Mitteln neue Lebensräume für unsere bedrohte einheimische Insekten- und Vogelwelt geschaffen und es entstehen im Nebeneffekt zusätzlich noch Nischen und Rückzugsräume für diverse andere Kleintiere.

Im Ergebnis erreichte das Ensheimer Projekt „Neue Lebensräume für Insekten und Vögel in Ensheim“ Platz 1 und erhielt eine Premiumförderung, die zwischenzeitlich aufgrund der erbrachten Nachweise zur Auszahlung gebracht wurde.

Was soll mit dem Projekt erreicht werden?

Ziel des Projektes ist zum einen die Schaffung neuer Lebensräume für Insekten und Vögel sowie zum anderen durch gezielte Informationen und Lehrtafeln, insbesondere Familien und Kinder der Gemeinde, anschaulich und prägnant an die Thematik heranzuführen. Langfristig soll mit dem Projekt ein Beitrag für ein neues „Heimat“ - Verständnis geleistet werden und letztendlich geht es um ein verantwortungsbewusstes Miteinander in unserer Gesellschaft und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Das Projekt besticht auch dadurch, dass es eine Aktion von engagierten Bürger*innen der Gemeinde für die Gemeinde ist, die zudem das ländliche Identitätsgefühl stärkt. Die Bürger*innen werden sensibilisiert und aufgeklärt und es ergeht der Appell an die Eigenverantwortung. Mit dem Projekt und insbesondere der Aufstellung der Lehrtafeln, soll sowohl für die Bedeutung der Themen Natur- und Artenschutz, als auch die Erhaltung der Biodiversität in der sehr intensiv genutzten Heimatregion Rheinhessen sensibilisiert werden.

Direkt nach dem Unterschreiben der Zielvereinbarung konnte mit dem Projekt am 16.06. 2021 begonnen werden.

Die Leader-Maßnahme umfasst als wesentlichen Bestandteil den Bau einer sogenannten Benjeshecke (Totholzhecke). Durch überwiegend natürliche Prozesse wandelt sich diese zu einer „belebten“ grüne Hecke. Es entsteht neuer Lebensraum mit Nischen für Insekten, brütende Vögel und andere Kleintiere.

Als Standort konnte auf eine Gemeinde-Fläche, die bislang u.a. als Zwischenlager für kommunalen Grün- und Baumschnitt verwendet wurde -ganz in der Nähe des Weinbergturms- zugegriffen werden.

Als Vorteil ist besonders hervorzuheben, dass auch künftig die Grünabfälle der Kommune (insbesondere Baum-, Hecken-, Grünschnitt und Herbstlaub) kostenneutral sinnvoll verwertet bzw. entsorgt werden können. Das eingebrachte Material sinkt durch die Zersetzungsprozesse mit der Zeit zusammen, so dass abschnittsweise stets neuer Füllraum für weiteres Material entsteht. Dies konnte man schon in der kurzen Zeit seit der Errichtung beobachten. Das Erscheinungsbild fügt sich in bereits vorhandene Heckenstrukturen in der Gemarkung ein.

Die zunächst als Stützen eingeschlagenen Pfähle sollen durch die Pflanzung von Hecken und Bäumen ersetzt werden, um die Formgebung dauerhaft zu stabilisieren. Natürliche Begrünungsprozesse, wie etwa durch Samenflug, können so beschleunigt bzw. gelenkt werden. Direkt angrenzend soll eine Blühfläche entstehen.

Mit Anpassung des Maßstabes kann sich das Vorhaben beispielgebend in nahezu jeden privaten Garten übertragen lassen.

Die Projektschritte 1. Arbeitsschritt: Errichtung einer Benjeshecke: - Bestimmung des Standortes, Mähen und Räumen/Vorbereiten des Standortes, Bohren von Pfahl-Löchern und Einschlagen von doppelreihigen Holzpfählen, - Füllen der Zwischenräume innerhalb der Holzpfähle mit Totholz, Baum- , Hecken- und Grünschnitt.

2. Arbeitsschritt: Umbau (Stabilere Konstruktion von Rahmen und Dach bzw. Vervollständigung/Verbesserung der Füllung) und Aufstellung von zwei käuflich erworbenen Insektenhotels. Die Aufstellung mittels Einschlaghülsen erfolgte an zwei Standorten in der Ortsgemeinde Ensheim.

3. Arbeitsschritt: Konstruktion eines hochwertigen Trägergestells (Edelstahl) zur Aufstellung von zwei käuflich erworbenen Lehrtafeln (Themenschwerpunkt der Tafeln: Benjeshecke und Insektenhotels), Aufstellung mit Punktfundamenten.

4. Arbeitsschritt: Aufhängen von insgesamt 40 Nisthöhlen innerhalb der Ortsgemeinde und an Randlagen der Gemeinde Ensheim. Die Anbringung der Nistkästen soll zum Erhalt der einheimischen Vogelvielfalt beitragen.

5. Arbeitsschritt: Vorbereiten der Fläche (Mulchen, Fräsen) für die spätere Aussaat (je nach Witterung Herbst oder Frühjahr) einer Blühmischung zur Unterstützung der heimischen Insekten- und Vogelwelt.

6. Arbeitsschritt: Pflanzung von standortgerechten Sträuchern und Bäumen entlang der Heckenstruktur im Herbst (Pflanzzeit) mit gespendetem Pflanzgut.

Schlussbemerkung:

In letzter Zeit konnte jeder von uns in den Medien vieles zu den Themen Insektensterben und Artenschwund erfahren.

Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn dieser Prozess aufgehalten werden soll. Gerade Flächen der öffentlichen Hand sind hier von entscheidendem Interesse.

Siedlungsgebiete und kommunale Grünflächen sind oft letzte Rückzugsorte für bedrohte Arten, die in der von wirtschaftlichen Zwängen geformten Agrarlandschaft einerseits und „versteinerten“ Gärten andererseits keinen Lebensraum mehr finden. Gemeinden und ihre Einwohner können hier Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz übernehmen, indem sie ihre Flächen im Sinne der Biodiversitätsstrategie aufwerten und Einwohner und Bewirtschafter auf diesem Weg mitnehmen. Gleichzeitig können solche Maßnahmen zur Verschönerung des Orts- und Landschaftsbildes beitragen und die Ortsgemeinde nicht nur für die Bürger, sondern auch für Besucher attraktiver machen.

Gerne würden wir, die Akteure, auch nach dem erfolgreichen Abschluss des Leader-Projektes weiterhin an dem Vorhaben Natur- und Artenschutz in unserer Heimatgemeinde arbeiten. Allerdings braucht es zur Weiterentwicklung des Ensheimer Projektes ein anhaltendes Engagement, weitere Ideen sowie natürlich auch helfende Hände von Bürgerinnen und Bürgern. Wünschenswert wären ebenso Spenden von geeignetem Pflanz- und Saatgut.

In der Nähe des Bolzplatzes wurde ein weiteres Insektenhotel mit einer Lehrtafel aufgestellt. Dieses Vorhaben wurde unterstützt durch die Lokale Aktionsgruppe Rheinhessen!